Logo

Historische Infotafeln am Schütte-Lanz-Gewerbepark in Königs Wusterhausen enthüllt

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 04.07.2024 / 10:35 Uhr von EB
Ein bedeutender historischer Ort in Königs Wusterhausen hat nun endlich eine offizielle Anerkennung erfahren. Nach jahrelanger intensiver Recherche und Detailarbeit wurden vier Infotafeln am Schütte-Lanz-Gewerbepark aufgestellt und enthüllt. Diese Tafeln informieren sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch über die Geschichte der Schütte-Lanz-Werft in Zeesen sowie über die nachfolgenden Unternehmen und Bildungseinrichtungen auf dem heutigen Gelände.

Bürgermeisterin Michaela Wiezorek äußerte ihre Freude darüber, dass nach vielen Diskussionen nun eine Einordnung der verschiedenen Aspekte und Bewertungen der Person Johann Schütte gelungen ist. Besonders betont wurde der Zwiespalt zwischen Schüttes Engagement für die Luftschiffwerft und seinem Verhalten während der NS-Zeit. Wiezorek dankte denjenigen, die das Projekt inhaltlich unterstützt haben, insbesondere Peter und Berthild Dietrich, Denny Hafemann und Hans Rentmeister.

Hans Rentmeister erwähnte auch Frank Rauhut, der als Mitstreiter des „Bündnis gegen Rechts“ einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung dieses Kapitels der Zeesener Ortsgeschichte geleistet hat. Der Buchautor Denny Hafemann begrüßte bei der Enthüllung, dass alle Aspekte der über hundertjährigen Geschichte des Geländes auf den Tafeln dargestellt werden. Hafemann, der sich intensiv mit der Industrie- und Militärgeschichte Zeesens auseinandergesetzt hat, veröffentlichte ein Buch zur Schütte-Lanz-Werft und deren Nachfolgeunternehmen.

Hintergrund

Seit Jahren wird in Königs Wusterhausen über die Namen Schütte-Lanz-Gewerbepark und Schütte-Lanz-Straße diskutiert. Johann Schütte, der durch die finanzielle Unterstützung des Industriellen Karl Lanz (1873-1921) am heutigen Standort in Zeesen militärische Luftschiffe und Flugzeuge baute, steht dabei besonders in der Kritik. Während des Ersten Weltkriegs wurden diese Luftschiffe unter anderem für Angriffe auf zivile Ziele eingesetzt. Nach 1919 versuchte die „Schütte-Lanz-Luftschiffwerft Zeesen“ zivile Güter wie Kleinautomobile, Möbel, Öfen und Boote herzustellen, scheiterte jedoch und wurde im März 1925 liquidiert.

Johann Schütte blieb dem Nationalismus treu und gilt nach Einschätzung heutiger Historiker als Unterstützer der NS-Herrschaft, obwohl er wohl kein Mitglied der NSDAP war. Nach dem Ende der Schütte-Lanz-Werft erlebte das Gelände verschiedene Nachnutzungen: Von 1926 bis 1935 wurden hier Landwirte an landwirtschaftlichen Maschinen geschult und konnten Traktorführerscheine erwerben. Zwischen 1935 und 1945 diente das Gelände der Ausbildung von „Postschutzsoldaten“, die ab 1942 direkt der Waffen-SS unterstellt waren. Nach 1945 beherbergte das Gelände ein Kfz-Instandsetzungswerk, in dem ab 1966 der Kleinbus „Progress“ hergestellt wurde. Seit 1994 verfiel das Gelände, bis im Jahr 2013 das letzte Gebäude des ehemaligen Werkes abgerissen wurde.

Heute ist auf dem Gelände das Schütte-Lanz-Gewerbegebiet entstanden, das unter anderem Unternehmen wie die pedag Schelchen GmbH, Karl Weiss Ingenieurtief- und Rohrleitungsbau, verschiedene Autohäuser und Niclas Hein Kälteanlagen-Klima- und Regelungstechnik beherbergt.

Um die Geschichte des Geländes und die Rolle von Johann Schütte während der NS-Herrschaft präsent zu halten, setzten sich Bürger von Königs Wusterhausen, besonders Hans Rentmeister, Peter und Berthild Dietrich sowie Denny Hafemann, für die historische Aufarbeitung ein. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung erstellten sie die Texte und sammelten Bilder für die Infotafeln.

Bilder

Foto: Stadt Königs Wusterhausen
Die Enthüllung der Schütte-Lanz-Infotafeln fand Anfang Juli statt: (v.l.n.r.) Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Laura Lazarus, Ortbeiratsvorsitzender Zeesen Uwe Friedrich, Denny Hafemann, Peter Dietrich, Bürgermeisterin Michaela Wiezorek und Hans Rentmeister. Foto: Stadt Königs Wusterhausen
Denny Hafemann (r.) und Peter Dietrich (2.v.r.) haben intensiv inhaltlich an der Erstellung der Tafeln mitgewirkt. Foto: Stadt Königs Wusterhausen
Dieser Artikel wurde bereits 598 mal aufgerufen.

Werbung

Kommentare

  •  
    Denny Hafemann schrieb um 14:16 Uhr am 04.07.2024:
    Ich freue mich sehr, dass meine jahrelange Recherche und ehrenamtliche Arbeit in Zusammenhang mit meinem Buchprojekt offenbar etwas bewirkt hat.

    Die nun aufgestellten Tafeln informieren über die Geschichte hinter dem Areal des heutigen Gewerbeparks und basieren weitestgehend auf meinem Buch "Hergestellt im Verborgenen". Damit gibt es nun jeweils eine Infotafel über das Werk von Schütte-Lanz, der Deulakraft, der Postschutzschule und dem Progress-Werk - jeweils in Deutsch und Englisch.

    Damit wird die umfangreiche und wechselvolle Geschichte lebendig gehalten und inspiriert hoffentlich mehr Menschen zur Erforschung unserer regionalen Geschichte.

    Der entsprechende Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung zur Aufstellung stammte bereits aus dem Jahr 2012 und galt ursprünglich nur für eine Infotafel zum Thema Schütte-Lanz. Es ist sehr zu begrüßen, dass es nun derer vier geworden sind und diese auch die weitere Historie darstellen.

    Die Tafeln stehen vor dem Eingang zum Sportplatz in Zeesen und somit auf den einstigen Flugplatzgelände von Schütte-Lanz.
    •  
      Frank schrieb um 13:27 Uhr am 04.07.2024:
      Darf man auch erfahren, wo genau diese Tafeln stehen? Der Gewerbepark ist recht groß.
      Blieb Johann Schütte dem Nationalismus treu oder dem Nationalsozialismus?
      Der Gewerbepark ist nur auf einem Teil des Schütte-Lanz-Geländes, der größere Teil ist noch Brache.