Unterstützt wird das Vorhaben durch eine Anschubfinanzierung aus Lottomitteln in Höhe von 125.000 Euro sowie 45.000 Euro für eine landesweite Koordinierungsstelle. Ab 2027 soll die dauerhafte Finanzierung über den Landeshaushalt erfolgen.
Interdisziplinäre Hilfe bei Kindeswohlgefährdung
Kinderschutzambulanzen sind spezialisierte medizinische Einrichtungen, in denen Fachkräfte aus Medizin und Kinder- und Jugendhilfe eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, bei Verdachtsfällen von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung eine schnelle und fachgerechte medizinische Einschätzung vorzunehmen und unmittelbar Hilfen einzuleiten. Brandenburg ist bislang das einzige Bundesland ohne derartige ambulante Strukturen.
Gesundheitsministerin Müller betonte: „Wenn etwa Sportvereine, Kita-Erzieherinnen oder Lehrkräfte Anzeichen von Misshandlung erkennen, können Kinderschutzambulanzen unterstützen. Sie ermöglichen schnelle medizinische Abklärung und eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe – ohne dass ein Kind stationär aufgenommen werden muss.“
Standorte in Brandenburg – auch im Dahme-Spreewald relevant
Die ersten vier Ambulanzen sollen an den Krankenhausstandorten in Eberswalde, Lauchhammer, Neuruppin und Potsdam eingerichtet werden. Ein fünfter Standort in Cottbus ist ebenfalls vorgesehen. Besonders für den Landkreis Dahme-Spreewald, dessen Kinder und Familien bislang auf Einrichtungen in benachbarten Regionen angewiesen waren, bedeutet dies eine deutlich verbesserte Versorgung vor Ort.
Koordinierte Versorgung als Schlüssel
Die KIA-Standorte verbinden Leistungen der medizinischen Versorgung (SGB V) mit denen der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII). Damit können Fachkräfte vor Ort ambulant prüfen, ob ein Kind gefährdet ist, und notwendige Hilfen sofort einleiten. Für die landesweite Koordinierung werden 45.000 Euro bereitgestellt. Pro Standort stehen 25.000 Euro aus Lottomitteln für den Koordinierungsaufwand zur Verfügung.
Nachhaltiger Ausbau geplant
Ab 2027 soll die Finanzierung der Kinderschutzambulanzen über den regulären Landeshaushalt erfolgen. Das Gesundheits- und das Jugendministerium wollen landesweit verbindliche Qualitätsstandards etablieren und Zuständigkeiten klar regeln, um den gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen sicherzustellen.
Jugendminister Freiberg ergänzte: „Im Zentrum steht das Kindeswohl. Wir setzen ein klares Signal, dass Brandenburg Kinder und Jugendliche schützt und die Rechte junger Menschen stärkt.“
Erfahrungen aus Berlin als Vorbild
Die Kinderschutzambulanz an der Charité in Berlin existiert seit 2016 und wird gemeinsam von verschiedenen Senatsverwaltungen getragen. Müller und Freiberg werden die Einrichtung in der kommenden Woche besuchen, um Erfahrungen für den Aufbau in Brandenburg zu sammeln.
Mit diesen Maßnahmen schafft Brandenburg erstmals spezialisierte ambulante Anlaufstellen für gefährdete Kinder und Jugendliche – ein bedeutender Fortschritt für den Kinderschutz im Land, insbesondere für Familien im Landkreis Dahme-Spreewald.