Wie lässt sich eine verlässliche medizinische Versorgung sichern, wenn Wege länger werden, Fachkräfte fehlen und die Bevölkerung älter wird? Diese Frage stellt sich nicht nur in der Prignitz oder in Ostprignitz-Ruppin, sondern ganz konkret auch im Landkreis Dahme-Spreewald.
Die Antwort darauf könnte künftig „stambulant“ heißen – eine kluge Verzahnung von stationärer und ambulanter Medizin.
Klare Worte aus der Landespolitik
Auf einem Fachsymposium in Berlin zum Abschluss des Innovationsfondsprojekts ProReVers machte Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller deutlich, wohin die Reise gehen soll. Die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum liege nicht im Entweder-oder, sondern im Zusammenspiel: Ambulante und stationäre Angebote müssten sektorenübergreifend gedacht, geplant und umgesetzt werden.
Was „stambulant“ konkret bedeutet
Der Begriff steht für eine neue Balance: Krankenhaus und Arztpraxis sollen enger zusammenarbeiten, regionale Besonderheiten stärker berücksichtigt werden. Gerade in Flächenlandkreisen wie Dahme-Spreewald, wo Entfernungen zwischen Wohnort, Praxis und Klinik groß sein können, bietet dieser Ansatz Chancen für kürzere Wege, bessere Abstimmung und effizientere Abläufe.
Erkenntnisse aus dem Projekt ProReVers
Das Projekt „Prospektive regionale sektorenübergreifende Versorgungsplanung im ländlichen Raum“ wurde im Oktober 2023 gestartet und mit rund 1,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. In den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin wurden Versorgungsstrukturen analysiert, Daten ausgewertet und Einwohner befragt.
Ein zentrales Ergebnis: Bis zu 20 Prozent der Krankenhausfälle könnten theoretisch ambulant behandelt werden. In der Praxis stehen dem jedoch Hürden entgegen – etwa Fachkräftemangel, fehlende Transportmöglichkeiten oder unzureichende Ausstattung in Praxen. Auch lange Wartezeiten und Anfahrtswege wurden von Patientinnen und Patienten als große Belastung benannt.
Relevanz für den Landkreis Dahme-Spreewald
Viele dieser Befunde lassen sich auf den Landkreis Dahme-Spreewald übertragen. Auch hier treffen demografischer Wandel, steigender Versorgungsbedarf und begrenzte Ressourcen aufeinander. Die im Projekt entwickelten Instrumente könnten deshalb als Blaupause dienen: regionale Kooperationen, bessere Abstimmung zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten sowie der stärkere Einsatz digitaler Lösungen.
Kooperation statt Konkurrenz
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit. Zu den Konsortialpartnern von ProReVers zählen unter anderem Krankenkassen, Kliniken, die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg und die Medizinische Hochschule Brandenburg. Solche Netzwerke zeigen, dass tragfähige Lösungen nur entstehen, wenn alle Beteiligten gemeinsam planen – ein Ansatz, der auch für Dahme-Spreewald richtungsweisend sein kann.
Blick nach vorn
Das Fazit aus Politik und Forschung ist eindeutig: Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum braucht neue Strukturen, die flexibel, regional angepasst und sektorenübergreifend sind. Für den Landkreis Dahme-Spreewald bedeutet das die Chance, aus den Erfahrungen anderer Regionen zu lernen – und die Gesundheitsversorgung zukunftsfest aufzustellen.
Fazit: „Stambulant“ ist mehr als ein Schlagwort. Es steht für einen notwendigen Wandel, der auch im Landkreis Dahme-Spreewald an Bedeutung gewinnen dürfte – damit gute medizinische Versorgung nicht zur Frage des Wohnorts wird.
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