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Dahme-Spreewald/Berlin-Brandenburg: Großhandels-Beschäftigte fordern 220 Euro mehr – ver.di erhöht Druck vor Tarifrunde
Regionales
Erstellt: 03.03.2026 / 14:00 Uhr von PS
Die Tarifauseinandersetzung im Großhandel nimmt Fahrt auf. Die ver.di-Tarifkommissionen für Berlin und Brandenburg haben ihre Forderungen beschlossen – und die haben es in sich: 220 Euro mehr Lohn und Gehalt pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Für Auszubildende sollen die Vergütungen um 200 Euro steigen. Betroffen sind insgesamt rund 53.000 Beschäftigte, davon etwa 20.000 in Brandenburg – viele auch im Landkreis Dahme-Spreewald.
Klare Botschaft aus den Betrieben
Der Handlungsdruck ist hoch. Nach Angaben der Gewerkschaft halten 99 Prozent der befragten Beschäftigten steigende Löhne für dringend notwendig. Hintergrund sind vor allem die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten.
„Die Beschäftigten leiden weiterhin unter den stark gestiegenen Preisen. Vor allem Lebensmittel sind erneut teurer geworden. Im Vergleich zu 2019 sind die Preise für Lebensmittel um 40 Prozent gestiegen“, sagt Franziska Foullong, stellvertretende ver.di-Landesfachbereichsleiterin Handel Berlin-Brandenburg und Verhandlungsführerin.
Gerade im Landkreis Dahme-Spreewald mit seinen zahlreichen Logistikstandorten, Großhandelslagern und Umschlagzentren ist der Großhandel ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Viele Beschäftigte arbeiten als Kommissionierer, Lagerfachkräfte oder im Vertrieb – häufig körperlich anspruchsvoll und im Schichtbetrieb.
Keine Einmalzahlung, sondern tabellenwirksame Erhöhung
Die Gewerkschaft legt Wert auf eine dauerhafte Erhöhung der Entgelttabellen. Einmalzahlungen lehnt sie ab. Der Grund: Nur tabellenwirksame Lohnerhöhungen wirken sich auf die spätere Rente aus.
Ein Beispiel verdeutlicht die Problematik: Ein Kommissionierer kommt nach 45 Berufsjahren derzeit auf rund 1.400 Euro Brutto-Rente. „Das ist deutlich zu niedrig. Die Arbeitgeber schicken ihre Beschäftigten in die Altersarmut“, so Foullong.
Die geforderte monatliche Erhöhung um 220 Euro entspricht rund sieben Prozent für die Entgeltstufe nach der Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau beziehungsweise zum Groß- und Außenhandelskaufmann.
Auch Auszubildende im Fokus
Neben den Stammbelegschaften stehen die Auszubildenden im Mittelpunkt der Forderungen. Ihre Vergütungen sollen um 200 Euro steigen.
„Die jungen Menschen, die eine Ausbildung im Großhandel machen, müssen in der Lage sein, ein unabhängiges Leben zu führen“, betont Foullong. Gerade in Ballungsräumen wie dem Berliner Umland und im wirtschaftlich dynamischen Landkreis Dahme-Spreewald steigen Mieten und Lebenshaltungskosten seit Jahren deutlich.
53.000 Beschäftigte betroffen – Start der Verhandlungen im April
ver.di Berlin-Brandenburg verhandelt für rund 33.000 Beschäftigte im Berliner und 20.000 im Brandenburger Großhandel. Die ersten Gespräche mit den Arbeitgebern sollen bereits im April beginnen.
Die Friedenspflicht endet am 1. Mai. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, wären Warnstreiks möglich – auch in Betrieben im Landkreis Dahme-Spreewald, wo zahlreiche Unternehmen im Lebensmittel- und Pharma-Großhandel tätig sind und zuletzt steigende Umsätze verzeichneten.
Mit der nun beschlossenen Forderung setzt ver.di ein deutliches Signal: Die Beschäftigten wollen an der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Branche beteiligt werden – nicht nur mit Worten, sondern mit spürbar höheren Löhnen.
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