Kultur- und Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle und SBG-Direktor Prof. Axel Drecoll haben gestern in Potsdam gemeinsam mit Dr. Andrea Genest, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Dr. Astrid Ley, Leiterin der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, und Dr. Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkstätten in Brandenburg an der Havel, sowie Norman Warnemünde, kommissarischer Leiter der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam, das umfangreiche Programm zum Jahrestag sowie weitere Vorhaben für 2026 vorgestellt.
Dr. Manja Schüle sagte gestern: „Je weiter die Verbrechen des 20. Jahrhunderts zurückliegen, desto eher sitzt man dem Irrtum auf, wir wüssten schon alles darüber. Genau deshalb wird die Arbeit unserer Gedenkstätten immer wichtiger. In Zeiten, in denen die historische Wahrheit zunehmend von politischen Auseinandersetzungen, Geschichtsklitterung und digitaler Desinformation überschattet wird, wächst unsere Verantwortung, sie zu bewahren, zu vermitteln und gegen Instrumentalisierung zu verteidigen. Denn die Zahl antisemitischer Vorfälle an Gedenkstätten wächst in besorgniserregendem Maße. Zudem leben wir bald in einer Welt, in der nicht mehr die Überlebenden, sondern nur noch die Orte selbst uns unmittelbar an das Grauen erinnern. Deshalb ist auch entscheidend, die junge Generation nicht nur zu erreichen, sondern aktiv in den Dialog und die Forschung einzubeziehen – auch über die digitalen Kanäle, auf denen sie sich täglich bewegt.“
Zu den Vorhaben des Jahres 2026 gehören zum Beispiel eine partizipative Ausstellung über Nachfahren von Überlebenden des KZ Sachsenhausen und ihren Umgang mit diesem Teil ihrer Familiengeschichte. Die Sommer-Universität Ravensbrück widmet sich dem Wechselverhältnis zwischen Konzentrationslagern und ihrer lokalen Umgebung. In einem Projekt, an dem mehrere Gedenkstätten der Stiftung beteiligt sind, beschäftigen sich Jugendliche forschend und künstlerisch mit Verhaftungen in der Sowjetischen Besatzungszone. Ein Workshop befasst sich mit Geschichte und Rezeption der NS-Organisation „Werwolf“. Im November feiern die Gedenkstätten in Brandenburg an der Havel das zehnjährige Jubiläum inklusiver Führungen.
"Einer der Höhepunkte der Veranstaltungen zum Jahrestag der Befreiung wird die Eröffnung der Ausstellung „Verflochtene Geschichten. Nachkommen erzählen“ sein, die wir zusammen mit Angehörigen ehemaliger Häftlinge erarbeitet haben. Mit dieser weitgehend aus der Angehörigenperspektive erzählten Schau setzt die Gedenkstätte ihren mit dem Interventions-Projekt in der Ausstellung Sinti und Roma begonnenen Weg fort", erklärte Dr. Astrid Ley, Leiterin der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen.
Die Gedenkstätte Sachsenhausen erwartet zu den Gedenkveranstaltungen zwei Überlebende des KZ Sachsenhausen. Eine Veranstaltung am 30. Juni thematisiert den 90. Jahrestag der Gründung des KZ Sachsenhausen. Der Wiederaufbau der eingestürzten Teile der Lagermauer beginnt ebenso wie die Realisierungsphase für den Neubau des Besuchszentrums. Im August wird an die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers vor 81 Jahren erinnert.
In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück werden drei Überlebende und zahlreiche Nachkommen zum 81. Jahrestag der Befreiung erwartet, die an einem Forum der Generationen teilnehmen. Im Zellenbau hat der 2. Bauabschnitt der Sanierung und Neukonzeption begonnen.
Dr. Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkstätten in Brandenburg an der Havel berichtete: „Die Sicherungsverwahrten gehören zu den lange verleugneten Opfern des Nationalsozialismus, auch in den Gedenkstätten. Als kleinkriminelle Wiederholungstäter wurden sie von den Nationalsozialisten als gemeinschaftsfremd stigmatisiert, unbegrenzt inhaftiert und schließlich der Ermordung im KZ preisgegeben. Den Überlebenden wurde die Anerkennung als NS-Verfolgte verwehrt. Als der Bundestag ihnen 2020 endlich diese Anerkennung zubilligte, lebt keiner der Betroffenen mehr. Indem wir die Sicherungsverwahrten beim 81. Jahrestag der Befreiung in den Mittpunkt des Gedenkens stellen, wollen wir diese lange verleugnete Opfergruppe in besonderer Weise würdigen.“
In der Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden wird am 26. April an die Befreiung der Häftlinge vor 81 Jahren erinnert. Der Enkel eines Inhaftierten, der zur verleugneten Opfergruppe der Sicherungsverwahrten gehörte, wird über den Kampf seines Großvaters um Anerkennung als NS-Opfer sprechen. Ab Juni werden Teile der Wanderausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945-1956)“ gezeigt. Dabei handelt es sich um vier Biografien von Frauen, die in Brandenburg inhaftiert waren.
Norman Warnemünde, kommissarischer Leiter der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam sagte: „Mit der Eröffnung der „frauenHAFT“-Ausstellung zum Gedenktag am 15. August liegt der Fokus in diesem Jahr auf den weiblichen Häftlingen, die nach 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet wurden. Das Spektrum der zwölf dargestellten Biografien reicht von einer demokratischen Widerständlerin bis zu einer ehemaligen KZ-Aufseherin."
In der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam wird ab August die Wanderausstellung „frauenHAFT. Sowjetische Repression und DDR-Strafvollzug (1945-1956)“ zu sehen sein.
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