"Kinder sind die Zukunft unseres Landes, und ihr Schutz genießt für unsere Landesregierung höchste Priorität. Für wirksamen Kinderschutz spielt die Früherkennung eine wesentliche Rolle, denn durch rasche Hilfemaßnahmen kann oft Schlimmeres verhindert werden. Schon bei ersten Anzeichen muss den örtlichen Jugendämtern eine fundierte medizinische Expertise zur Verfügung stehen", so Wilke.
KIAs sind spezialisierte Anlaufstellen, in denen Mediziner gemeinsam mit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe Verdachtsfällen von Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch nachgehen. Sie untersuchen Kinder und Jugendliche, dokumentieren mögliche Verletzungen und beraten Jugendämter, Schulen, Kitas und Polizei. Der Bedarf ist groß: 2024 führten die Brandenburger Jugendämter laut Angaben des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Brandenburg 8.501 Verfahren zur Abklärung möglicher Kindeswohlgefährdungen durch. In rund zehn Prozent dieser Fälle ist eine medizinisch-psychiatrische Begutachtung nötig. Im vergangenen Jahr wurden allein in Potsdam 136 bestätigte Fälle registriert.
Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie im Klinikum Ernst von Bergmann, betont: „Wir sehen in unserer Klinik täglich, wie wichtig klar strukturierte, fachlich unabhängige und interdisziplinäre Anlaufstellen im Kinderschutz sind, um eine Kindeswohlgefährdung auszuschließen oder zu bestätigen. Die Eröffnung unserer KIA ist ein großer Schritt, um gefährdete Kinder und Jugendliche schneller zu schützen und die Zusammenarbeit aller beteiligten Instanzen zu stärken."
Die Potsdamer Oberbürgermeisterin Noosha Aubel erklärte: „Es wäre wünschenswert, dass wir solche Orte gar nicht bräuchten. Und doch wissen wir: Gewalt gegen Kinder ist bittere Realität – oft verborgen, oft viel zu lange unentdeckt. Mit der ersten Kinderschutzambulanz im Land Brandenburg, hier an unserem städtischen Klinikum Ernst von Bergmann, schaffen wir einen Ort des Hinschauens, der Hilfe und des Schutzes." Aubel betonte weiter: "Kinderschutz ist unsere gemeinsame Verantwortung. Die Ambulanz bringt Fachwissen zusammen, klärt Verdachtsfälle, sichert Spuren und leitet konkrete Schutzmaßnahmen ein. Vor allem aber sendet sie eine klare Botschaft: Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt. Immer."
Vier weitere Standorte sollen noch in diesem Jahr folgen: in Eberswalde, Frankfurt/Oder, Neuruppin und Lauchhammer. Damit sollen alle fünf Krankenhausversorgungsregionen des Landes abgedeckt werden. Finanziert wurde der Aufbau durch eine Lottomittelförderung des Gesundheits- und des Jugendministeriums in Höhe von insgesamt 170.000 Euro.
Jugendminister Gordon Hoffmann unterstreicht abschließend: "Kinderschutz ist keine Aufgabe einer einzelnen Berufsgruppe oder Behörde. Kinderschutz geht uns alle an."
Mehr Informationen zu Brandenburgs erster Kinderschutzinstitutsambulanz gibt es unter [
www.evb-gesundheit.de/kinderschutzambulanz].