Die Teilnehmerzahl wächst seit Jahren – und besonders auffällig: viele Jugendliche waren dabei.
Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Otto-Lilienthal-Gesamtschule prägten das Bild der Veranstaltung ebenso wie Stadtverordnete, Mitglieder des Kreissportbundes, Vertreter der jüdischen Gemeinde sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.
„Es geht um das Hier und Jetzt“
Bürgermeisterin Michaela Wiezorek richtete sich in ihrer Ansprache gezielt an die junge Generation. Ihre Botschaft war deutlich: Erinnerung ist kein Blick zurück, sondern eine Aufgabe für die Gegenwart.
Es gehe darum, Verantwortung zu übernehmen und sich an Werten wie der Menschenwürde zu orientieren. Diese sei nicht verhandelbar – und bleibe der Maßstab für das Zusammenleben, gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen.
Mahnung zur Wachsamkeit
Auch Thomas Thiele vom Stadtjugendring schlug in diese Richtung. Schuld sei individuell, sagte er – entscheidend sei jedoch, die Mechanismen zu verstehen, die einst zu Ausgrenzung und Verfolgung geführt haben.
Sein Appell an die Jugendlichen: hinterfragen, aufmerksam bleiben und sensibel reagieren, wenn Unterschiede zwischen Menschen gemacht werden. Gleichwertigkeit sei kein abstrakter Begriff, sondern Grundlage des Zusammenlebens.
Geschichten, die berühren
Wie Menschlichkeit selbst in dunkelsten Zeiten wirken kann, machte Arkadi Schwarz von der jüdischen Gemeinde deutlich. Er schilderte eindrücklich, wie Menschen während der NS-Diktatur durch Mut und Zusammenhalt Leben retten konnten.
Eine besonders bewegende Verbindung zur Gegenwart brachte Günter David ein. Über seine ehrenamtliche Arbeit entstand Kontakt zur Familie eines Holocaustüberlebenden, der als Kind auch im Lager in Königs Wusterhausen inhaftiert war.
Dessen Lebensweg führte durch mehrere Lager – bis zur Befreiung. In einem Brief richtet er sich an die heutige Generation: Nicht Schuld stehe im Vordergrund, sondern die Pflicht, Geschichte zu kennen und wachsam zu bleiben.
Zeichen des Erinnerns
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Kränze und Blumen niedergelegt. Jugendliche setzten zudem ein sichtbares Zeichen: Mit einem weißen Band markierten sie das Gelände des ehemaligen Lagers. Darauf stand ein Wort, das die Botschaft des Tages bündelt – „Remember“.
Die Aktion ist Teil einer Initiative des Landesjugendrings Brandenburg, die Orte nationalsozialistischer Verbrechen im öffentlichen Bewusstsein hält.
Was bleibt, ist mehr als ein stilles Gedenken: Es ist eine klare Aufforderung, hinzusehen, zu erinnern – und Verantwortung zu übernehmen.
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