Logo

Dahme-Spreewald: Tarifstreit im Einzelhandel spitzt sich zu – Beschäftigte müssen sich auf Streiks einstellen

Regionales
  • Erstellt: 02.06.2026 / 11:00 Uhr von PS
Für sehr viele Beschäftigte im Einzelhandel des Landkreises Dahme-Spreewald könnten unruhige Wochen bevorstehen. Nach der ersten Tarifverhandlungsrunde zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitgebern liegen die Positionen weit auseinander.

Die Gewerkschaft spricht von einem „respektlosen“ Angebot und schließt Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus.

Auch Beschäftigte im Landkreis betroffen

Ob in Supermärkten, Möbelhäusern, Bekleidungsgeschäften oder Einkaufszentren in Königs Wusterhausen, Wildau, Lübben oder Luckau – die Tarifverhandlungen betreffen zahlreiche Arbeitnehmer im Landkreis. Insgesamt arbeiten rund 80.000 Menschen im Brandenburger Einzelhandel.

Der Frust über das erste Angebot der Arbeitgeber ist groß. Demnach soll es zunächst sechs Monate lang keinerlei Lohnerhöhung geben. Anschließend sind lediglich zwei Prozent mehr Gehalt vorgesehen. Für eine Verkäuferin mit abgeschlossener Ausbildung und sieben Berufsjahren würde das nach Angaben von ver.di lediglich 63 Euro brutto mehr im Monat bedeuten.

Gewerkschaft spricht von Reallohnverlust

Während die Unternehmen auf wirtschaftliche Unsicherheiten verweisen, hält die Gewerkschaft das Angebot für völlig unzureichend. Besonders angesichts steigender Lebenshaltungskosten, höherer Energie- und Mobilitätsausgaben sei das vorgeschlagene Plus für viele Beschäftigte kaum spürbar.

„Die Enttäuschung stand den Verkäuferinnen und Verkäufern ins Gesicht geschrieben“, erklärte ver.di-Verhandlungsführerin Conny Weißbach nach der ersten Gesprächsrunde. Viele Beschäftigte könnten nicht nachvollziehen, warum profitable Handelsunternehmen bei den Löhnen auf die Bremse treten.

Niedrige Löhne trotz Milliardenumsätzen

Nach Angaben von ver.di erwirtschaftete der deutsche Einzelhandel im vergangenen Jahr rund 823 Milliarden Euro Umsatz. Gleichzeitig verdienen viele Beschäftigte vergleichsweise wenig. Eine ausgebildete Vollzeit-Verkäuferin kommt nach sieben Berufsjahren derzeit auf ein monatliches Bruttogehalt von 3.172 Euro.

Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet. In Brandenburg betrifft dies rund 65 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Einzelhandel. Besonders Frauen sind davon betroffen.

Streiks rücken näher

Während in Berlin bereits gestreikt werden darf, endet die Friedenspflicht in Brandenburg am 30. Juni. Sollte es bis dahin keine Annäherung geben, rechnet ver.di auch in Brandenburg mit ersten Arbeitskampfmaßnahmen. Davon könnten dann auch Filialen großer Handelsketten im Landkreis Dahme-Spreewald betroffen sein.

Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 222 Euro monatlich, ein tarifliches Mindestentgelt von 14,90 Euro pro Stunde sowie höhere Ausbildungsvergütungen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. Juni angesetzt. Ob sich Arbeitgeber und Gewerkschaft dann näherkommen, bleibt abzuwarten.

Bilder

Für sehr viele Beschäftigte im Einzelhandel des Landkreises Dahme-Spreewald könnten unruhige Wochen bevorstehen. Nach der ersten Tarifverhandlungsrunde zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitgebern liegen die Positionen weit auseinander. Symbolfoto
Dieser Artikel wurde bereits 227 mal aufgerufen.

Werbung