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Bindow: Schmutzwasseranschluss rückt näher – Das sind die Pläne und Kosten für Anwohner

Regionales
  • Erstellt: 16.07.2026 / 10:00 Uhr von PS
Für viele Grundstückseigentümer in Bindow ist es eines der größten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre: Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) hat jetzt die Vorplanung für die Schmutzwassererschließung des Ortes vorgestellt. I

Im Mittelpunkt standen die geplante technische Umsetzung, der Bauablauf sowie die Kosten, die auf die Anwohner zukommen.

Die Präsentation der Informationsveranstaltung stellt der MAWV als PDF zum Download bereit: (Klick)

Vakuumsystem setzt sich als wirtschaftlichste Lösung durch

In der Vorplanung wurden mehrere Varianten miteinander verglichen – von einer klassischen Freigefällekanalisation über Druckentwässerung bis hin zu unterschiedlichen Kombinationen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Das Vakuumsystem erwies sich als die wirtschaftlichste Lösung.

Nach Berechnungen des MAWV belaufen sich die Investitionskosten auf rund 14,45 Millionen Euro. Auch beim sogenannten Projektkostenbarwert schneidet diese Variante mit knapp 23,85 Millionen Euro besser ab als die übrigen untersuchten Lösungen.

Das System arbeitet mit einem zentralen Vakuumpumpwerk, das einen Unterdruck in den Leitungen erzeugt und das Schmutzwasser anschließend an ein Hauptpumpwerk weiterleitet. Die Leitungen können vergleichsweise flach verlegt werden, wodurch auf zahlreiche Kontrollschächte verzichtet werden kann.

Ableitung künftig über Gräbendorf nach Waßmannsdorf

Ursprünglich war vorgesehen, das Schmutzwasser zur Kläranlage Friedersdorf abzuleiten. Aufgrund der Auslastung der Anlage wurde das Konzept jedoch verworfen.

Nach einer hydraulischen Untersuchung entschied sich der MAWV für eine Ableitung über Gräbendorf. Von dort wird das Abwasser über mehrere Hauptpumpwerke schließlich zur Kläranlage Waßmannsdorf transportiert.

Die geplante Druckleitung soll vom Hauptpumpwerk in Bindow über den Bereich Strandbad Gussow entlang der Kreisstraße K6152 bis nach Gräbendorf verlaufen.

Standort für Pumpwerk steht fest

Für das notwendige Haupt- und Vakuumpumpwerk wurden zwei Standorte geprüft. Die Vorzugsvariante befindet sich im Bereich Neptunplatz/Wendeschleife. Ausschlaggebend war vor allem die Nähe zum geplanten Düker.

Nach Angaben des MAWV benötigt das Betriebshaus lediglich rund 40 Quadratmeter, hinzu kommen etwa 20 Quadratmeter für Vakuumtanks und Biofilter. Durch die abgeschirmte Lage sollen mögliche Geräusch- und Geruchsbelästigungen für Anwohner möglichst gering ausfallen.

Bau soll in sechs Abschnitten erfolgen

Mit einem schnellen Baustart ist allerdings nicht zu rechnen. Nach derzeitiger Planung beginnt der erste Bauabschnitt 2028/2029. Insgesamt ist das Projekt in sechs Bauabschnitte gegliedert und soll voraussichtlich erst 2035 abgeschlossen sein.

Dadurch sollen die Belastungen für Anwohner möglichst gering gehalten und die Arbeiten schrittweise umgesetzt werden.

Hausanschlüsse werden individuell geplant

Jedes Grundstück erhält einen Hausanschlussschacht als Übergang zwischen der privaten Grundstücksentwässerung und dem öffentlichen Vakuumsystem. Dieser soll in der Regel ein bis drei Meter hinter der Grundstücksgrenze errichtet werden.

Die konkrete Planung erfolgt laut MAWV gemeinsam mit den jeweiligen Grundstückseigentümern. Sollte das natürliche Gefälle nicht ausreichen, sind Sonderlösungen möglich.

Mit diesen Kosten müssen Eigentümer rechnen

Für den Hausanschluss kalkuliert der MAWV während der Erschließung derzeit mit 5.000 bis 6.500 Euro. Davon übernimmt der Verband 1.000 Euro, sodass für Grundstückseigentümer voraussichtlich 4.000 bis 5.500 Euro verbleiben.

Wer seinen Anschluss erst nach Abschluss der Erschließungsarbeiten herstellen lässt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dann werden Gesamtkosten zwischen 8.600 und 10.600 Euro erwartet.

Hinzu kommt der gesetzlich vorgeschriebene Schmutzwasserbeitrag. Dieser berechnet sich aus der beitragspflichtigen Grundstücksfläche, dem Nutzungsfaktor und dem Beitragssatz von derzeit 3,24 Euro pro Quadratmeter.

Für ein durchschnittliches Grundstück mit 1.220 Quadratmetern und einem Nutzungsfaktor von 1,25 ergibt sich laut Beispielrechnung des MAWV ein Beitrag von rund 4.941 Euro.

Zentrale Entsorgung langfristig deutlich günstiger

Langfristig verspricht der zentrale Anschluss auch finanzielle Vorteile. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 120 Kubikmetern liegen die jährlichen Kosten nach Angaben des MAWV bei etwa 468 Euro.

Zum Vergleich: Die derzeitige dezentrale Entsorgung über eine Sammelgrube verursacht im gleichen Beispiel Kosten von rund 2.383 Euro pro Jahr. Grund dafür sind neben der Entleerung auch regelmäßige Anfahrtskosten sowie mögliche Zuschläge.

Mit der vorgestellten Vorplanung ist ein wichtiger Schritt für die künftige Schmutzwassererschließung Bindows getan. Bis zum ersten Spatenstich werden zwar noch einige Jahre vergehen, für die Grundstückseigentümer zeichnet sich jedoch bereits jetzt ab, welche technische Lösung umgesetzt werden soll und mit welchen Investitionen sie rechnen müssen.

Bilder

Vakuumstation in Wernsdorf. Foto: Gemeinde Heidesee
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